BÜMPLIZ – KULTURHAUPTSTADT DER SCHWEIZ (2021/2022)

Ein Projekt zum Kulturgenuss Bern West

Die Schweiz macht trotz bilateraler Verträge kulturell bei keinem Projekt mit der EU mit, das es unserem Land erlauben würde, einmal eine «Europäische Kulturhauptstadt» zu haben. Dieses Label würde nicht nur allgemein einen Boost für den gewählten Ort bedeuten, sondern betonte eben, dass Kultur im europäischen Leben wichtig ist. Dies war der Hauptgrund, warum ich als «Kulturminister der Schweiz» (2007–2009) unserem Land erstmals eine Kulturhauptstadt gegeben habe. Und weil alle Kultur, wenn wir nicht von Handwerk reden, fast immer auf die Stadt bezogen wird, habe ich als weitere Provokation für die Jahre 2008 & 2009 die Berggemeinde Romoos gewählt. Doch endete das Projekt Kulturhauptstadt nicht damit, sondern 2011 & 2012 war Pfyn dran – wieder eine kleine Gemeinde, an die niemand dachte, wenn er Frauenfelder Kultur hört. Doch gerade dieses Projekt wuchs sich dann wirklich europäisch (und darüber hinaus) aus, indem Verknüpfungen zu Estland und Ägypten etabliert wurden.

Nun, mit dem Fest zur 100-jährigen Eingemeindung der ehemaligen Gemeinde Bümpliz (inklusive Bethlehem, Bottigen, Riedbach, Stöckacker usw.) – wo sich die Bevölkerung scherzhafterweise immer mal wieder als eigene Gemeinde sieht und wo ‹Bern West› ein multikultigeladener Begriff im urbanen Slang geworden ist –, bietet es sich an, ‹Bümpliz› (oder eben Bern West; dazu passt auch, dass Bern die «Bundeshauptstadtmillion» nicht mehr erhalten soll) als Projekt für die Jahre 2021/2022 als Kulturhauptstadt der Schweiz auszurufen. Weil auch bei Bümpliz entgegen ehemaliger Versprechen fast niemand an «Hauptstadtkultur» denkt. Hier soll das Projekt also nochmals weiter gehen und diesen Stadtteil im Bereich Kultur fördern, voll urban, mit kulturellen Anlässen, die seine bunt gemischte Bevölkerung aus allen Ecken von Europa und der Welt möglichst mit einbeziehen soll, für eine nachhaltige Wirkung, die sich auch über 2022 hinaus erstrecken soll. Um einerseits die Wahrnehmung auf das zu richten, was schon hier ist, und andererseits eben ein Jahr lang eine Kulturspritze zu injizieren, die nachhaltig wirken darf: Mit einer «Sternennacht», wie sie 2019 bereits stattfindet und spätestens ab 2021 jedes Jahr wiederholt werden wird, mit einer Hymne auf Bern West, Lesungen in Hochhäusern, die regelmässige Öffnung eines Tonstudios von Rappern, mit Künstlerateliers für Artists in Residence, mit dem Bienzgut als ausgebautes Zentrum eines kulturellen Identitätszentrums für Menschen aus allen Nationen, einer Webseite, die alles zusammenfasst und als Informationsquelle dient – und weiteren Unterprojekten, die helfen werden, den Bogen zu schlagen von den Kelten über Carl Albert Loosli bis ins Heute – unter Einbezug der Stiftung B, der Kunstachse (beide vorläufige Vorfinanziererinnen: DANK!), des Westkreis 6 (ehemals vfbb), der Hochschule der Künste HKB, des DeutschSchweizer PEN Zentrums, der Carl-Albert-Loosli-Gesellschaft und von Kunstschaffenden aus Fern und Nah plus interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Der Kontakt zu den Quartiervereinen (Quartierleiste), zum Haus der Religionen und den Kirchgemeinden ist aufgenommen. Und natürlich sind alle Vereine herzlich willkommen, mitzumachen!

Deshalb liebe Bürgerinnen und Bürger von BÜMPLIZ und der Welt: Haben Sie eine Idee, was sich hier und darüber hinaus endlich mal sicht- und hörbar kulturell bewegen soll? Und/Oder haben Sie Lust, den hoffentlich zahlreichen Projekten unter die Arme zu greifen, etwas zu initiieren? Tragen Sie Ihre Ideen und Ihre mögliche Mithilfe per Mail mit oder schreiben Sie einfach in der Kommentarfunktion.

Dominik Riedo (Schriftsteller und Kulturminister der Schweiz a. D.) mit dem Komitee: Westkreis 6, Kunstachse, Stiftung B, Carl-Albert-Loosli-Gesellschaft und DeutschSchweizer PEN Zentrum


11 Kommentare zu “BÜMPLIZ – KULTURHAUPTSTADT DER SCHWEIZ (2021/2022)

    • Dominik RIEDO am

      Nein. Die oben genannte Gruppe kam nach „Romoos – Kulturhauptstadt der Schweiz 2008/2009“ und „Pfyn – Kulturhauptstadt der Schweiz 2011/2012“ erst auf die Idee. Eine Zeit lang wollten Sie zusammenarbeiten, dann wieder nicht, jetzt sieht es vielleicht wieder gut aus.

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  1. Thea Fischermann am

    Ich würde an einem Tag (am besten im Sommer) alle Strassen mit (abwaschbaren) Farben und Gedichten beschrieben lassen. Oder Lesungen in Hochhaustreppenhäusern veranstalten. So Sachen passen zu Bümpliz!

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  2. Claudia Waltemath am

    Bringt man die UEK-Empfehlung und Riedos Vorschlag zusammen, ergibt sich folgendes Projekt: Karin Keller-Sutters Departement EJPD und die Stadt Bern engagieren sich dafur, dass im Sommer 2022 in der dannzumaligen Kulturhauptstadt Bumpliz ein Haus der anderen Schweiz eroffnet wird. Dass dieses «Loosli-Zentrum» heissen konnte, ergibt sich eigentlich von selbst.

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